15.01.2013

Reisebericht Marokko 2012/2013

Im Zeitraum vom 26. Dezember bis zum 02. Januar bin ich, Jannik Reisberg, u.A. als Vertreter der LHG Aachen zu einem Besuch nach Marokko gereist. Hierbei besuchte ich meinen Freund Naoufal, den ich vor knapp 2 Jahren bei einem internationalen Jugendforum in Seoul/Südkorea kennengelernt habe. Inhaltlich ging es bei meiner Reise zu einem um das Wiedersehen meines Freundes, zum anderen aber insbesondere um die zukünftige Zusammenarbeit unserer beiden Organisationen.Nach der Ankunft am Mittwoch stand nach dem Ablegen des Gepäcks in seiner Wohnung eine erste Sightseeing-Tour in Fes an, hierbei fuhren wir unter anderem zu dem Palast des Königs von Marokko in Fes als auch zum ersten, aber nicht letztem Mal in die wunderschöne Altstadt. Fes gehört mit rund 1 Millionen Einwohner zu der drittgrößten Stadt Marokkos und gilt als die historischste Stadt Marokkos.

Überblick über Fes

(Überblick über Fez)

Zusammen mit Naoufal vor dem Königspalast in Fez

(Naoufal und Ich vor dem königlichen Palast in Fez)

Am Donnerstagvormittag besuchten wir dann eine sehr engagierte Frau namens Fouza  in ihrem eigenen kleinen Geschäft. Sie setzt sich in Fes sehr aktiv für arme Menschen ein und spendet einen Großteil ihrer Einnahmen für wohltätige Aktionen. Bei einem Gespräch mit leckerem marokkanischem Kaffee sprachen wir über die lokalen Probleme Vorort in Fes und inwieweit die Armut auch Kinder betrifft. Ein Satz von ihr blieb mir dabei bis heute noch in Erinnerung, den mein Freund Naoufal mir übersetzte: „You know: I have more money than the majority of people living here. That’s why I spend my money for people who have less money like I have. That’s the reason why I am like I am.“ Ich habe selten eine Person kennengelernt, die wie so prägnant die Idee der Nächstenliebe verkörpert – genau solche Menschen sind es, die wir brauchen.

Am Nachmittag dann konnte ich einen kleinen Einblick in das Studentenleben von Naoufal bekommen. Hierbei war ich mit ihm in einer Vorlesung der Elektrodynamik. Trotz der französischen Lehrsprache konnte ich unerwartet viel Bekanntes entdecken wie beispielsweise die einzelnen Energie- und Impulssätze. Im Vergleich zu meinem Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen fiel mir insbesondere die wesentlich kleinere Anzahl an Kommilitonen im Hörsaal als auch die andere Beziehung zwischen Professor und Studenten auf. Während der Vorlesung fand die ganze Zeit ein reger Austausch zwischen Studenten und dem Professor statt, beispielsweise um Probleme zu lösen oder aber wenn der Professor nach einer Lösung auf seine Frage fragte. Ebenso viel mir auf, dass auch die Übungen entgegen der Praxis an der RWTH Aachen vom Professor selber abgehalten werden und es keine direkte Trennung zwischen Vorlesung und Übung gibt. Ebenso differierte – wahrscheinlich auch einfach aufgrund der technologischen Standards in Marokko – die Präsentationsart des Professors. Ein Skript an sich gab es für die Vorlesung nicht und der Professor pflegte alles Schritt für Schritt an die große Kreidetafel zu schreiben. Insgesamt kam mir der Besuch seiner Universität vergleichbar mit einer großen Schule vor; einfach alles erinnerte mich an meine Schulzeit: Die Art der  Lehre, die Beziehung zwischen dem Professor und seinen Studenten und seine Art der Präsentation.

Insgesamt war dies ein wirklich interessanter Tag, der mit einem wunderschönen Ausblick über Fes von einer Terrasse eines Hotels außerhalb der Stadt sein ruhiges Ende fand.

Am Freitag besuchten wir dann erst zusammen mit seiner Mutter das Grab seines Vaters und gingen danach zusammen zum Gebet in die Moschee, was eine wirklich sehr interessante Erfahrung für mich war. Am Nachmittag ging es dann von Fes aus mit dem Zug nach Meknes, eine Stadt mit rund einer halben Millionen Menschen circa 60 Kilometer entfernt von Fes. Nachdem wir in einem Hotel unser Gepäck abstellten, machten wir uns auf in die Medina (Altstadt) von Meknes. Hierbei schaute ich mir unter anderem die Begräbnisse von Mitgliedern der Königsfamilie in einer Moschee an und versuchte mich zudem erfolgreich bei einem typischen marokkanischem Marktspiel. Am Abend besuchten wir dann erst eine Bar und zogen später weiter in eine Diskothek. Naoufal erzählte mir, dass diese Lokalitäten an sich eigentlich in Marokko verboten wären, da es für Muslime strengstens verboten ist Alkohol zu trinken. Wie im Falle der Diskothek in Meknes werde sie aber von der Polizei akzeptiert, da dessen Inhaber ein einflussreicher Mensch in der Stadt sei – ohne diese Korruption wäre dies aber nicht möglich. Sowohl in der Bar als auch in der Disko war ich der einzige Ausländer, das Alter der Gäste reichte von meinem Alter bis etwa ins frühe Rentenalter und stand damit im Kontrast zu der Realität in Deutschland. Insbesondere fiel mir aber auf, dass im Vergleich zu den Diskotheken in Aachen die Männerquote in etwa die Gleiche war, wenn sie nicht sogar noch höher war. Die einzelnen Frauen, erfuhr ich von Naoufal, waren weitestgehend von der Diskothek bezahlt worden und standen den männlichen Besuchern für jegliche Art der weiteren Abendgestaltung zur Verfügung. Für mich als Westeuropäer war diese Tatsache mehr als absurd und spätestens als ich einen betrunkenen Muslimen im Anzug neben mir auf der Toilette sah, musste ich ein wenig darüber schmunzeln inwieweit die jungen Menschen Vorort wirklich zu Leben pflegen trotz der strengen Religion.

Am Samstag ging es dann für zwei Tage weiter mit dem Zug nach Rabat, die Hauptstadt von Marokko. Dort stand erst eine Besichtigung der Stadt inklusive der Kasbah (der historischen Festung am alten Hafen von Rabat) an, später trafen wir uns dann mit dem Dachverband seiner Organisation und ich wohnte als Besucher der Sitzung bei. Themen waren dabei unter Anderem Naoufals Auftritt in einer politischen Fernsehsendung (vergleichbar mit Anne Will), welche in den kommenden Tagen im marokkanischem Fernsehen ausgestrahlt werden wird.

Gebäude des marokkanischen Parlamentes

(Parlamentsgebäude in Rabat)

 

Nachdem wir in einer Wohnung eines Freundes von Naoufal übernachten durften, fuhren wir mit ihm, Rahal, am Sonntag per Auto zu einem Fußballspiel nach Khenifra, einer Stadt zwischen Rabat und Fes. Rahal ist ein Fußballmanager von mehreren bekannten marokkanischen Spielern und so besuchten wir zusammen das Fußballspiel seines jüngeren Bruders (16 Jahre alt) in Khenifra. Auch wenn man 2000km entfernt war, weichte der Fußball nicht sonderlich von unserem in Deutschland ab – Sport ist eben überall gleich & das ist auch gut so.

Anschauen eines Fußballspiels in Khenifra

(Besuch eines Fußballspiels)

 

Am Montag stand dann der Höhepunkt meines Besuchs an: Meinem Besuch seiner Organisation in Fes. Sie setzt sich für die liberalen Ideale der jungen Generation in Fes ein und ist dem wirtschafts-liberalen Flügel der internationalen Politik zuzuordnen. Bei dem Treffen mit rund 10 Mitgliedern seiner Organisation präsentierte ich die LHG Aachen und stellte unsere Arbeit im Studierendenparlament vor. Im Anschluss daran unterzeichneten wir beide nach einer kurzen Fragestunde an mich ein Kooperationsschreiben unserer beiden Organisationen (LHG Aachen & FJM Fes).

Unterschreiben des gemeinsamen Cooperation Papers

 

(Unterzeichnen des Cooperationspapers)

Mögliche zukünftige Kooperationen könnten beispielsweise gemeinsame Workshops oder ein allgemeiner Informationsaustausch und die Erstellung von gemeinsamen Pressemitteilungen sein. Genaueres werde ich mit meinen Vorstandsmitgliedern bei den nächsten Treffen beraten.  Am Abend feierten wir dann im Kreise seiner Familie das neue Jahr bei prächtigem und vor allem sehr reichhaltigem Essen.

Festessen zur Neujahrsfeier

(Silvesteressen beim Feiern des neuen Jahres 2013)

 

Am Dienstag dann stand nur noch das Einkaufen von Souvenirs auf der Agenda bevor wir am Abend uns mit mehreren Freunden in einer Shishabar trafen. Von dort aus zogen wir zum Feiern des letzten gemeinsamen Abends noch weiter in eine Bar,  stießen auf eine erfolgreiche zukünftige Kooperation an und feierten bei arabischer Musik zusammen.

Was ist nun mein Fazit aus meiner Reise:
Ich habe gelernt, wie wichtig der interkulturelle Dialog ist und was für eine wichtige Rolle unsere junge Generation hierbei spielt, nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere in Ländern wie Marokko. Wir müssen dafür sorgen, dass Probleme wie das Frauenbild in der arabischen Welt weiter verbessert werden. Ich habe gemerkt, dass die junge Generation in Marokko sich dessen Pflichten bewusst ist und das Beste zur Verbesserung solcher Dissensen versucht zu unternehmen – wenn auch dies aktuell noch als sehr schwierig anzusehen ist.

Es gibt noch sehr viel zu verbessern in Marokko, aber die Menschen Vorort sind auf dem besten Weg.

Weiter habe ich mir vorgenommen, dass ich Arabisch lernen möchte, nicht zuletzt um einen noch intensiveren Kontakt zu den Menschen Vorort aufbauen zu können.

Marokko, wir werden uns wieder sehen…

Bei Fragen, Anregungen oder Ähnliches stehe ich euch jederzeit sehr gerne zur Verfügung. Ihr findet meine Emailadresse über die Mitgliederseite der LHG Aachen oder aber ihr sucht mich unter meinem Namen bei Facebook.  Bei Facebook sind auch noch mehr Bilder von meiner Reise zu sehen.

Salam aleikum.

Euer Jannik Reisberg