14.07.2008

Verwaltungsrat des Studentenwerk macht sich zum Spielball der Geschäftsführung

Die Sitzung des Verwaltungsrats am vergangenen Donnerstag stand unter dem Motto „verschieben, vertagen, verschweigen“. Dabei reihte sich bei den Themen „Jahresabschluss 2007“, „Umbau des neuen Studentenwohnheims Seilgraben“ und „Modernisierung der EDV Anlage“ eine Ungeheuerlichkeit an die andere.

Obwohl seine eigene Entlastung auf der Tagesordnung stand, glänzte der Geschäftsführer des Studentenwerks, Dirk Reitz, durch Abwesenheit.
Könnte man es doch bei dieser Randbemerkung belassen! Tatsächlich kam es anders: so hatte die Geschäftsführung einen Tagesordnungspunkt, den die studentischen Vertreter bei der letzten Sitzung beantragt hatten, klammheimlich wieder von der Tagesordnung gestrichen. Nach vehementen Protesten kam man dann lediglich überein, die Punkte auf die Oktober-Sitzung zu verschieben. Gleichzeitig beklagten Verwaltungsratsmitglieder massive Mängel im Protokoll. Kurz darauf erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Herr Dr. Fricke aus Münster, eine öffentliche Diskussion über den Jahresabschluss kurzerhand für unerwünscht. Damit nicht genug, legte Dr. Fricke wenig später noch einmal nach: Auf den Hinweis, dass der Bericht des Wirtschaftsprüfers fälschlicherweise davon ausgehe, dass die Geschäftsführung über Investitionen bis zu einer Höhe von 20.000 Euro ohne Zustimmung des Verwaltungsrats verfügen könne — richtig sind 10.000 Euro — erklärte er, dass der Verwaltungsrat in solchen Fragen gelegentlich ein Auge zudrücke. „Herr Dr. Fricke hat nicht nur kein Interesse an einer kritischen Diskussion, er hat offenbar auch keinerlei Lust, seiner Aufgabe gemäß das Studentenwerk zu überwachen.
Man muss sich fragen, was ein Aufsichtsgremium soll, wenn es Regelverstöße einfach ignoriert.“, fasst Joachim Riegel, stellvertretender Vorsitzender der LHG Aachen, das Verhalten von Dr. Fricke zusammen.

Auch bei der Diskussion der Modernisierung der EDV-Anlage des Studentenwerks ließ Herr Dr. Fricke jede Konsequenz vermissen. Obwohl er nach einer Anhörung zweier Experten, darunter der LHG-Vorsitzende und IT-Experte Andreas Achtzehn einräumte, dass die vom Studentenwerk favorisierte Lösung überdimensioniert und damit unnötig teuer sei, stimmte er für diese Lösung, um, wie er erklärte, die Motivation des verantwortlichen Mitarbeiters zu erhalten. „Eine teure Fehlplanung zu erkennen, und sie dann dennoch zu beschließen ist nur mit der Arroganz dessen zu erklären, der nach Belieben über fremdes Geld verfügen kann ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.“, ärgert sich Achtzehn über dieses Vorgehen.

An einem Punkt immerhin kann Dr. Fricke auf Unterstützung der Studierenden bauen: nachdem er in der Diskussion um die Erhöhung der Umbaukosten für das neue Studentenwohnheim Seilgraben von 172.000 Euro auf über 450.000 Euro noch keine Konsequenzen daraus ziehen mochte, dass das Studentenwerk durch die Ausschreibung der Handwerkeraufträge bereits vor einer Zustimmung des Verwaltungsrates Fakten geschaffen hatte, platzte ihm kurz darauf dann doch der Kragen. Während studentische Mitglieder des Verwaltungsrates bereits vorher von Erpressung durch die Geschäftsführung des Studentenwerks gesprochen hatten, erklärte Herr Dr. Fricke nun ebenfalls, in Zukunft seine Zustimmung zu verweigern wenn das Studentenwerk weiterhin Entscheidungen so lange verschleppe bis der Verwaltungsrat unter Zeitdruck eine schnelle Entscheidung treffen müsse.